Digitalisierung braucht die Schlüsseltechnologie Mikrosystemtechnik

Die Digitalisierung erfasst immer mehr Bereiche der Wirtschaft. Deutschland ist hier gut aufgestellt, hat jedoch noch Einiges aufzuholen. Das stellte Mitte Februar 2017 die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) der Bundesregierung fest. Wie die Schlüsseltechnologie Mikrosystemtechnik für die Digitalisierung der Industrie in Baden-Württemberg eingesetzt werden kann und welche Maßnahmen nötig sind, um das vorabzutreiben, darüber informierte am 15. Februar das Spitzencluster microTEC Südwest. 15 Abgeordnete der baden-württembergischen Landtagsausschüsse für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau sowie für Wissenschaft, Forschung und Kunst folgten der Einladung.

Die Vertreter der Fraktionen Bündnis 90/Die Grünen, CDU, SPD und FDP diskutierten mit den Vorständen und der Geschäftsführung von microTEC Südwest im baden-württembergischen Landtag über die künftigen Herausforderungen. Wenn es um die Digitalisierung der Industrie geht, hat Baden-Württemberg schon einiges voran gebracht, muss aber am Ball bleiben. Das Land hat mit seiner Allianz Industrie 4.0 wichtige Weichen gestellt. „Darauf dürfen wir uns jetzt nicht ausruhen“, sagt Eckehardt Keip, Vorstandsvorsitzender von microTEC Südwest und Geschäftsführer NG Litef. „Wir brauchen einen einfacheren Zugang zur Forschungsförderung insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen und Start-ups.“

Baden-Württembergische Unternehmen bringen viele Innovationen hervor. Aber neue Produkte und Leistungen zur Marktreife zu bringen und zu vermarkten, ist derzeit immer wieder eine große Herausforderung, an der viele gute Ideen scheitern. „Hier kann microTEC Südwest helfen, und auch wir als Politik sind gefordert, die Sichtbarkeit des Clusters bei den Unternehmen zu erhöhen, um so den Technologietransfer voranzubringen“, sagt Gabi Rolland, SPD-Landtagsabgeordnete aus Freiburg.

microTEC Südwest vernetzt über 110 Akteure aus Industrie, Wissenschaft und Politik und ist eines der größten Technologie-Netzwerke Europas. Dr. Christine Neuy, Geschäftsführerin von microTEC Südwest, betonte: „Die Mikrosystemtechnik leistet wichtige Beiträge, um unser Leben komfortabler und sicherer zu machen und schafft als Querschnittstechnologie die Voraussetzungen für intelligente Produkte, Prozesse und Dienstleistungen.“ Wichtige Anwendungsbereiche der Mikrosystemtechnik sind Automobil- und Maschinenbau oder Medizintechnik. Diese Branchen sind in Baden-Württemberg besonders stark und international wettbewerbsfähig.

Die Landesregierung hat sich im Koalitionsvertrag die Technologieführerschaft bei intelligenten, ressourcensparenden und klimaschonenden Technologien zum Ziel gesetzt. „Hier kann die Mikrosystemtechnik einen entscheidenden Beitrag leisten“, sagt microTEC Südwest Vorstandsmitglied Dr. Stefan Finkbeiner, Geschäftsführer Bosch Sensortec. Durch die Miniaturisierung und Integration vieler Funktionen auf kleinem Bauraum entstehen winzig kleine intelligente Systeme, die Großes bewirken: sparsamere und umweltfreundlichere Autos, effizientere Maschinen, ressourceneffiziente Produktionsprozesse, präzisere Therapien und vieles mehr.

Wie das im Detail aussehen kann, demonstrierten auf der Veranstaltung mit den Abgeordneten die Cluster-Vorstände Prof. Peter Post, Leiter Forschung und Programmstrategie bei Festo, und Prof. Volker Saile vom Karlsruher Institut für Technologie anhand von den mitgebrachten winzigen Sensoren, salzkorn-großen präzisen Spritzgießteilen sowie der Festo-Ameise, die aus einzigartigen Fertigungstechnologien aufgebaut ist und zeigt, wie autonome Einzelkomponenten als vernetztes Gesamtsystem gemeinsam eine komplexe Aufgabe lösen können. Prof. Dr. Erik Schweickert, Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses im Landtag, und microTEC Südwest Vorstandsvorsitzender Keip waren sich einig, den Dialog fortzuführen.